5. Erweiterter Ganztag - verkürztes Ganztagskonzept
Schulische Bedingungen
Wülfrath liegt im Bergischen Land zwischen Wuppertal und Essen. Es ist eine Kleinstadt mit 22227 Einwohnern. Alle Schulformen bis auf die Gesamtschule sind vertreten.
Die Hauptschule Wolverothe liegt nah am Stadtzentrum und unmittelbar neben der Sporthalle und dem Schwimmbad. Sie ist die einzige Hauptschule vor Ort. Die Schüler und Schülerinnen stammen sowohl aus Wülfrath als auch aus den umliegenden Städten Wuppertal, Velbert und Mettmann.
Die Schule ist überschaubar mit zur Zeit 277 Schülern und Schülerinnen. 24 Lehrer und Lehrerinnen unterrichten an dieser Schule, 8 von ihnen sind Teilzeitlehrer.
71 Schüler und Schülerinnen haben Migrationshintergrund. 16 Aussiedler besuchen momentan die Hauptschule Wolverothe. Ebenso wie bei Kindern mit Migrationshintergrund besteht hier erhöhter Förderbedarf im sprachlichen Bereich, der im Ganztagsbetrieb wesentlich besser gedeckt werden könnte.
Auch wenn der Prozentsatz der Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund, verglichen mit anderen Schulen, gering ist, besteht doch für viele ein hoher Bedarf an einem Ganztagsangebot. Ein großer Teil dieser Kinder und Jugendlichen lebt in einer Hochhaussiedlung am Rande der Stadt, die als sozialer Brennpunkt bezeichnet werden kann. Kognitive und soziale Förderung muss für diese Kinder verstärkt in der Schule erfolgen. Dieses ist mit einem Ganztagsangebot besser zu leisten.
Das Jugendhaus erfüllt einen Teil der Bedürfnisse, denn es bietet im Nachmittagsbereich Anregungen und Förderung. Aber längst nicht alle Kinder und Jugendlichen können dort aufgefangen werden. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus, das wünschenswerter Weise in einem an die Schule angrenzenden Gebäude untergebracht werden sollte, besteht schon jetzt durch etliche Projekte (Theater, Musik, Disco). Bei Einführung der Ganztagshauptschule könnte diese Kooperation noch verstärkt werden.
Da die Hauptschule Wolverothe die einzige Hauptschule vor Ort ist, könnte eine Kooperation mit der Hauptschule einer benachbarten Stadt in Betracht gezogen werden um bei Einführung der Ganztagshauptschule in Wülfrath den Eltern die Wahlmöglichkeit zwischen Ganztags- und Halbtagsschule zu bieten.
Im L12aufe der Zeit wurden an der Hauptschule Wolverothe zahlreiche Projekte eingerichtet, die schwerpunktmäßig Bereiche des sozialen Lernens und der Berufsvorbereitung und –orientierung abdecken. Eine Öffnung der Schule nach außen findet im Rahmen dieser Projekte statt (siehe Übersicht über die Projekte an der Hauptschule Wolverothe, Schulsozialarbeit und Kooperation Jugendhilfe und Schule als Anlage).
Ganztagsschule - eine Notwendigkeit für Wülfrath
Diese Forderung könnte aus der Beobachtung resultieren, dass die Zeit nach der 6. Stunde für sehr viele Schüler und Schülerinnen unserer Schule nicht für den Heimweg genutzt wird. Sie treffen sich auf einem Platz vor der Sport- und Schwimmhalle für mehrere Stunden oder im nahe gelegenen Stadtpark. Hier vertreiben sie sich die Zeit zum Teil bis in den Abend. In den kälteren Wintermonaten werden die Sportlehrer gefragt, ob man nicht mit in den Sportunterricht kommen kann, der für einige Klassen am Nachmittag stattfindet, um sich ein wenig aufzuwärmen oder die Toiletten zu nutzen. Ein ausreichendes Mittagessen gibt es für diese Kinder nicht. Von dem mitgebrachten Geld wird Salzgebäck und Cola gekauft.
Neben der unzureichenden Versorgung mit Nahrungsmitteln sind diese Schüler und Schülerinnen einer gewissen Verwahrlosungsgefahr, einer kontinuierlichen Konsumverführung und nicht zuletzt dem Kontakt zur Drogenszene ausgesetzt. Mögliche Gründe für diese Beobachtung können die zunehmende Zahl berufstätiger Mütter, beengte Wohnungen und eine laute Umgebung mit kleineren Geschwistern sein. Scheinbar benötigen die Eltern unserer Schüler zunehmend Raum für eigene Aktivitäten und finden immer weniger Zeit für die klassischen Beaufsichtigungs- und
Versorgungsaufgaben: Mittagessen, Hausaufgabenkontrolle, Fordern und Fördern.
Die sich stark verändernde Familiensituation und die Anzahl der Schulabgänger, die mit dem Hauptschulabschluss nach Klasse 9 oder ohne Abschluss die Schule verlassen, weisen gemeinsame, steigende Entwicklungstendenzen auf. Da immer weniger Stellen auf dem Arbeitsmarkt für Schüler und Schülerinnen mit dieser geringen Qualifikation vorhanden sind, müssen wir dafür sorgen, dass eine größere Zahl die Schule höher qualifiziert die Hauptschule verlässt.
Auf diese Anforderungen kann die Ganztagsschule entsprechend eingehen.
Sie ermöglicht
- Ausgleich sozialer Unterschiede.
Notwendigkeit der Ganztagshauptschule aus Sicht der Eltern
Wie oben bereits dargestellt: Kinder gehen nach der Schule vielfach nicht direkt nach Hause – sei es wegen eines schwierigen sozialen Umfeldes, das sie dort erwartet, sei es, um einfach mehr Zeit mit Freunden und Altersgenossen zu verbringen. In der Ganztagshauptschule hätten diese Kinder die Möglichkeit, diese Zeit sinnvoll zu gestalten.
Ob durch Freizeitangebote, Arbeitsgemeinschaften, Fördergruppen oder Beaufsichtigung der Hausaufgaben: Durch nachmittägliche Betreuung auch in und das Angebot eines Mittagessens erhalten die Eltern eine wichtige Hilfe beim Familienmanagement.
Für Eltern, deren Kinder bereits die Ganztagsbetreuung der Grundschulen in Anspruch genommen haben, ist es von Bedeutung, dass sie ein solches Angebot auch an der Hauptschule nutzen können.
Gerade Müttern eröffnet sich durch verlässliche Schulzeiten und die Gewissheit, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind, die Chance zur Berufstätigkeit. Die Nachmittagsbetreuung in der Schule entlastet alleinerziehende Eltern. So können sie sich intensiver der Berufstätigkeit widmen.
In kinderreichen Familien herrscht daheim oft Platzmangel. Auch fehlen bisweilen Zeit und Gelegenheit individuell auf die Kinder einzugehen. Die zusätzliche Betreuung wäre hier eine wichtige Erziehungshilfe (Möglichkeiten, Aufgaben in Ruhe zu erledigen oder sich in Ruhezonen zurückzuziehen, Vermittlung sozialer Werte, Bildungsangebote zusätzlich zum normalen Unterricht).
Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund, in denen zu Hause nicht oder kaum Deutsch gesprochen wird, bietet sich durch die Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften oder Fördergruppen die Gelegenheit, die deutsche Sprache anzuwenden und ihren Wortschatz zu erweitern.
Die Ganztagshauptschule bietet eine wichtige Hilfe für jene Eltern, die gezielte individuelle Förderung und den Ausgleich von Lernschwächen nicht leisten können.
Notwendigkeit der Ganztagsschule aus Sicht der Kinder
Die folgenden Aussagen wurden von Kindern der 5. Klassen gemacht.
„Warum es toll wäre, wenn wir bis 16:00 Uhr Schule hätten“
Zusammenarbeit zwischen offener Kinder- und Jugendarbeit und der Hauptschule Wolverothe
Seit mehreren Jahren besteht eine Zusammenarbeit zwischen der Hauptschule und der offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA). Diese realisiert sich in langfristig angelegten Projekten und Einzelaktionen.
Ein durchgängiges Arbeitsprinzip der OKJA stellt die Partizipation von Kindern und Jugendlichen an allen ihnen betreffenden Angelegenheit dar. In diesem Rahmen wird
nun schon seit ca. 2 Jahren die Schülervertretung (SV) regelmäßig in ihren Sitzungen von MitarbeiterInnen der OKJA begleitet. Gemeinsam mit den SchülerInnen werden Veranstaltungen und Schulfeste geplant und durchgeführt. Ebenso werden jugendpolitische und jugendrelevante Entwicklungen innerhalb der Stadt verdeutlicht und dem Entwicklungsstand der SchülerInnen angemessen erläutert.
Zu den Einzelaktionen zählen z.B. Aktionstage für Schulklassen zur Förderung der sozialen Kompetenzen, Präventionsveranstaltungen für mehrere Schulklassen zum Welt - Aids - Tag und eine Veranstaltung zur Bewegungsförderung und gesunden Ernährung (Voll - Fit - Tag).
Geplant sind eine kontinuierliche Begleitung der jeweils 5. Klassen im ersten Schuljahr und eine Ausflugsfahrt gemeinsam mit der SV.
In Form von informellen und situationsbezogenen Kontakten zwischen Lehrkräften und SozialarbeiterInnen kommt es immer wieder zu einer Abstimmung über pädagogische Vorgehensweisen, auch wurden in diesem Rahmen schon Einzelfallhilfen für einzelne SchülerInnen angestoßen.
Unter anderem werden für das Theaterprojekt der Hauptschule, die Streitschlichtergruppe und für Klassenfeiern regelmäßig Räumlichkeiten im ca. 1 km entfernten Kinder- und Jugendhaus zur Verfügung gestellt. Ein Umzug des Kinder- und Jugendhauses in das angrenzende Gebäude der Hauptschule wird zur Zeit vorbereitet, der endgültige Ratsbeschluss hierfür ist für März 2007 zu erwarten. Bei einer direkten Nachbarschaft zur Schule ist mit einer Intensivierung der Zusammenarbeit zu rechnen, beispielsweise in Form von AGs im Nachmittagsbereich.